Ziemlich gute Gründe, einen neuen Sport auszuprobieren – auch wenn du anfangs abkackst.

Als Kind probiert man ständig Neues oder wird durch Schulsport und Co. einfach hineingeworfen. Naja, ok, auf die demütigende Nötigung zum Barrenturnen hätte ich ehrlicherweise auch getrost verzichten können, aber ich denke, das Prinzip ist klar. Wenn man „erwachsen“ ist, fehlt einem oft der Mut, schlecht in etwas Neuem zu sein. Lieber Komfort- als Chaoszone. Dabei passiert doch genau dort das Spannende. Für das vergangene Jahr habe ich mir vor allem eines vorgenommen: Mutiger zu sein und zu Neuem einfach JA zu sagen, ohne lange zu überlegen. Wer zu lange nachdenkt, verharrt ja dann meistens doch da, wo er bereits ist. Etwas Neues zu Lernen kostet Zeit und Überwindung, aber es lohnt sich. Zumindest für mich fühlt es sich so an, als würde ich mit jeder neuen Bewegung nicht nur meinen Körper, sondern auch mich etwas besser kennenlernen.

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Welcher Sport passt zu mir? – Wie Sportarten nicht nur deinen Körper, sondern auch dich verändern können.

Stärke finden mit Kraftsport

Kraftsport ist nichts, was ich neu für mich entdeckt habe. Aber vielleicht hat sich die Art, wie ich ihn heute wahrnehme, verändert. Nämlich als Möglichkeit, meinen Körper gezielt so zu stärken, dass er mich bei all meinen Aktivitäten ideal unterstützt. Damit ist er nicht nur perfekt, um in Form zu kommen, sondern gleichzeitig die beste Grundlage für alle weiteren Sportarten.

Kopf freibekommen mit Laufen

Du kannst vor Sachen weg oder aber auf sie zu laufen. Fakt ist, sobald man die anfänglichen Wochen, in denen die Lunge einfach nur kollabiert, überwunden hat, dass Laufen eine tolle Sache ist, um Gefühle zu regulieren. Musik an Welt aus. Das Tolle ist, dass du es genauso steuern kannst, wie du dich an diesem Tag fühlst. Ganz gemütlich oder eben als persönliche Challenge, indem du Intervalle einbaust, deine eigene Pace unterbietest oder eine neue Distanz bewältigst.

Lernen Ziele zu genießen beim Wandern

Oft ist es doch so, dass wir von einem Ziel zum nächsten hetzen. Ist das Ziel erreicht, machen wir uns auf zum Nächsten. Der Genuss der Ankunft wird der ganzen Anstrengung gar nicht gerecht. Ich hätte nie gedacht, dass aus mir mal so eine Bergziege wird, aber Wandern ist für mich der ideale Sport, um Kraft und Ausdauer zu trainieren, je nach Schwierigkeit der Route seine Selbsteinschätzung und Intuition zu verbessern UND vor allem, um sich Zeit zu nehmen, nach einem schweren Anstieg das Ziel und den Ausblick zu genießen!

Entdeckt, ausprobiert und für gut befunden: 

Canyoning, Boxen, Spinning, Crossfit, Bouldern und Yoga

Sich selbst vertrauen und einfach springen beim Canyoning

Irgendwo an einem Wasserfall in Slowenien stehe ich als Erste unserer Gruppe auf einem glitschigen Felsvorsprung. 7,5 Meter geht’s da runter. In ein Wasserloch. Ja, Prost. Als Tollpatsch und jemand, der bisher maximal von dem 3er im Schwimmbad gehüpft ist, eigentlich zum Scheitern verurteilt. Und während ich gerade beginne zu überlegen, ob ich überhaupt so weit springen kann, sagt irgendwas in mir: „Fuck it“. Keine Ahnung, wo das her kam, aber es hat funktioniert. Als ich nach den längsten Sekunden meines Lebens aus dem Wasser auftauche, ist mein Selbstbewusstsein – wohl bedingt durch den Adrenalinschub – erst mal um 7,5 Meter gewachsen. Ein perfekter Mut-Boost für alle folgenden Kletter- und Rutschstellen. Nur bei einer zweiten, schwierigeren Sprungstelle habe ich mich nach kurzem Prüfen lieber zum Klettern entschieden. Und ich denke, auch das gehört dazu. Mutig sein heißt ja nicht, größenwahnsinnig werden zu müssen.

Fokussiert und selbstbewusst werden mit Boxen

Ich bin innerhalb eines zweitägigen Trainingscamps in meine erste Schnupperstunde für Boxen und Selbstverteidigung geraten. Nett, höflich und entschuldigend „tätscheln“ meine zufällig gewählte Boxpartnerin und ich uns. Irgendwie so richtig klischeehaft-girly halt … Innerhalb kürzester Zeit verändert sich dann was: Und was soll ich sagen, wer hier kurz schläft, bekommts auf die Nase. Boxen ist also perfekt für Menschen, die sich auspowern, die Koordination schulen und mit dem Kopf mal nirgendwo anders als im aktuellen Moment seien möchten. 

Loslassen lernen mit Bouldern

Bouldern ist eine Disziplin im Sportklettern, bei der man in der Halle ohne Kletterseil an markierten Routen kraxelt. Beim Boudlern gilt: „Erst die Technik, dann die Kraft!“ Statt sich überall mit den Armen hochzuziehen, wählt man die Griffe gut aus und nimmt die Kraft aus dem Unterkörper, um sich hochzudrücken. Wer sich krampfhaft an Griffe klammert, schmiert ab. Wer mit angewinkeltem Arm an der Wand kauert, kommt nicht vorwärts. Wer den Körperschwerpunkt nicht möglichst nah an die Wand verlagert, verliert leicht das Gleichgewicht uuuuuund: Das Dreieck ist der Masterkey: Sobald du dich an drei Punkten sicher fühlst, kannst du problemlos Loslassen und zum nächsten Griff greifen. Sicherheit ermöglicht loslassen und weitermachen, liebs! *Kleiner Philosopie-Exkurs Ende* Wie auch das Boxen ist Bouldern perfekt, um seine Aufmerksamkeit zu verlagern und auf andere Gedanken kommen. Zeitgleich ist es ein perfektes Ganzkörpertraining, bei dem ganze Muskelketten trainiert werden. Noch besser, man kann sich easy an schwierigere Routen herantasten und mit Freunden auf unterschiedlichstem Leistungsniveau zusammen Sport machen.

Über Grenzen gehen mit Spinning

„Himmel her Gott, wie kann man sich sowas nur freiwillig antun“, denke ich mir in meiner ersten Stunde. Das Gefühl ist ehrlicherweise geblieben, trotzdem gehe ich seitdem fast wöchentlich zu meinem Spinningkurs. Gemeinsames Leid verbindet und inmitten von Schweiß, Galgenhumor, lauter Musik, Anbrüllen und brennenden Muskeln, beginnt es auf absurde Art Spaß zu machen. Spannend finde ich dabei vor allem eines: Wie fühlen sich 80 Prozent Leistung an? Was sind meine persönlichen 90 Prozent? Wann habe ich wirklich meine 100 Prozent erreicht? Ich denke, beim Sport neige ich oft noch dazu, mich zu unterschätzen, denke: „Mehr ist jetzt wirklich nicht drin…“ Und dann kommt Trainer Melle mit dem teuflischen Lachen und brüllt, dass da noch was geht …  und siehe da, tut es tatsächlich!

Teamspirit fühlen und Stärken erkennen mit Crossfit

Crossfit habe ich schon früher schon mal ausprobiert. Im Rahmen des Trainingscamps, wo ich auch das Boxen entdeckt habe, konnte ich den Sport jedoch noch mal neu kennenlernen.In 3er Teams absolvierten wir verschiedene Stationen: Maximale Kalorien verbrennen auf Zeit bei Rudergerät und Air Bike, AMRAP (as many reps as possible) bei Ball to Wall, Kettlebell-Swings und Crunches sowie zwei Minuten Planks. Am Schluss zählt die Teamleistung. Das Schöne daran: Obwohl wir ja auch irgendwie im direkten Vergleich untereinander standen zählte nur, dass jede in diesem Moment das Beste gab. Ein Learning, das mir persönlich sehr guttat, da ich mich aus irgendeinem Grund immer noch als „unsportlich“ empfinde und in solchen Momenten Angst habe, die Gruppenleistung zu verschlechtern. Ein eigentlich überholter und prinzipiell auch grundsätzlich dummer Glaubenssatz. Sportlich ist man nicht erst, wenn man ein bestimmtes Leistungsniveau erreicht. Sportlich ist, wer Sport macht. Punkt! Witzigerweise haben sich unsere Stärken auf den unterschiedlichsten Übungen perfekt verteilt, sodass wir fast überall zum ersten Drittel zählten und einmal sogar den ersten Platz erreichten. Das Schöne an Crossfit ist, dass Personen auf unterschiedlichstem Leistungsniveau zusammen individuelle Grenzen erreichen können.

Balance finden mit Yoga 

Ich bin absolut keine Expertin darin, Ruhe zu geben, aber wenn alles ständig laut ist, überhört man häufig kleine und größere Signale des Körpers. In der Regel sage ich meinem Körper, was er zu tun hat. Beim Yoga werde ich dazu angeleitet, darauf zu hören, was mein Körper sich von mir wünscht. Diese Ruhe auszuhalten und in sich hinein zu spüren ist mindestens so anstrengend, wie die teils sehr fordernden Übungen (Asanas). Damit ist Yoga für jeden eine gute Möglichkeit, neben Mobilität und Kraft eine kleine Ruheinsel zu schaffen. Als Freundin der Wissenschaft, hier noch ein kleiner Side-Fact: Yoga hat nachweislich positive Effekte auf unser Gehirn und hilft uns nicht nur in dem Moment, sondern durch regelmäßiges Praktizieren, auch dauerhaft besser mit Stress umzugehen. Eine Buchempfehlung hierzu ist „Der Yoga-Effekt“ von Neurowissenschaftlerin Svenja Borchers.

Was ich dir mit geben möchte ist Folgendes: 

Viele, auch ich, fangen an Sport zu machen, weil sie ihren Körper nicht mögen, sich unwohl fühlen. Sport ist dann ein lästiges und anstrengendes Mittel zum Zweck. Dabei kann dir der „richtige“ Sport viel mehr geben. Wichtig ist, etwas zu finden, dass dir guttut und dazu muss man manchmal eben das ein oder andere ausprobieren. Man muss sich trauen „schlecht“ in etwas Neuem zu sein und die Geduld haben zu Lernen. Sobald wir Sportarten finden, die zu unseren Zielen und Vorstellungen passen, können wir die positiven Effekte von Sport auf unsere physische und psychische Gesundheit perfekt nutzen. Also raus aus der Komfortzone und rein in die Trainingsklamotten 😉

Zusammen mit großartigen Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Ernährungs, Sport- und Neurowissenschaftlern sowie Psychologen konnte ich als Redakteurin zahlreiche Fitnessmythen auflösen. Mein Focus liegt inzwischen auf der mentalen Komponente, die für mich die Grundlage für langfristigen und gesunden Erfolg bildet!

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