Hans Münch, Iris Leibrecht und Michael Leibrecht vor der Sponsorenwand des HFA-Europakongresses
Beim HFA-Europakongress 2025 in Amsterdam: Hans Münch mit Iris und Michael Leibrecht vom BEYERS AKTIV-PARK.

Das Wichtigste in Kürze

Hans Münch, Jahrgang 1958, Kanadier mit deutschem Pass, arbeitet seit 1985 in der Fitnessbranche. Er war der dritte Mitarbeiter von Life Fitness in Europa, war fünf Jahre in Boston beim Weltverband IHRSA (heute HFA) für die internationale Entwicklung zuständig und acht Jahre dessen Europa-Director. Seit 2016 berät er von Winterthur, Schweiz aus Fitnessstudios, Hersteller und Start-ups. In diesem Porträt erzählt er, was er einem Gründer heute raten würde, warum er ein Boutique-Studio mit 200 Quadratmetern aufmachen würde und welches Rechenbeispiel er jedem Studiobetreiber mitgibt.

Hans Münch und ich kennen uns von Branchenveranstaltungen, zuletzt vom HFA-Europakongress in Amsterdam. Ich komme aus der Werbe- und Kommunikationsbranche, Iris betreibt unser Studio, und wenn ich jemanden nach der Fitnesswelt frage, dann ihn. Über Hans ist viel geschrieben worden, auf seiner Website, bei fitness.at, bei BODYMEDIA. Deshalb wollte ich etwas anderes: die Geschichte hinter den Stationen und das, was er heute weitergeben will. Wir haben uns für ein Videointerview verabredet. Als ich ihn nach seiner eigenen Überschrift fragte, sagte er: „Globetrotter inside Fitness.“ Und ein paar Minuten später, fast beiläufig: „Ich habe meine Rolle immer so verstanden, Leute zusammenzubringen.“ Das fühl ich.

Porträt von Hans Münch mit Badge beim Meet-the-Top-Event auf Mallorca
Hans Münch beim Meet-the-Top-Event auf Mallorca – aufgenommen mit der Ray-Ban Meta.

Wie ein Kanadier in die Fitnessbranche kam

Am Anfang steht ein Tennisschläger. Mit zwölf gewinnt Hans die Jugendmeisterschaft von Ontario in seiner Altersklasse, spielt die kanadischen Meisterschaften in Vancouver und steht danach auf Platz drei der nationalen Rangliste. Sein Vater meldet ihn im Fitness Institute von Toronto an, das der Trainerpionier Lloyd Percival 1963 gegründet hatte. Dort trainierten Olympiateilnehmer, daneben Manager aus dem Firmenfitness-Programm. Drei Monate kosteten 270 kanadische Dollar. Mehr konnte die Familie sich nicht leisten.

Das Institut ließ ihn trotzdem bleiben, als eine Art Juniormitglied im Trainerstab. Er trainierte kostenlos, arbeitete dafür im Pro-Shop und setzte sich aufs Ergometer, wenn jemand für eine Gasanalyse oder einen VO2max-Test eine Versuchsperson brauchte. „Das hat mein Leben geprägt“, sagt er. „Ich habe von Anfang an gesehen, wie professionelles Training aussieht. Wäre ich damals in irgendeinem Bodybuilding-Keller gelandet, wäre ich heute vermutlich woanders.“

Als Tennisspieler war er nach eigener Aussage nie der Talentierteste auf dem Platz. Dafür der Fitteste. „Wenn ich es in den dritten Satz geschafft habe, konnte ich fast jeden schlagen. Mein Niveau blieb gleich, das der anderen ließ nach.“ Seine Disziplin, sagt er, stammt aus dieser Zeit.

1979 macht er die Ausbildung bei Peter Burwash International auf Hawaii, einer Tennisschule, die ihre Lehrer in Hotels und Anlagen auf der ganzen Welt einsetzte. Hans wollte nach Asien. Stattdessen schickte man ihn nach Europa, weil gerade fünf Anlagen in Österreich und München eröffneten und jemand gebraucht wurde, der Deutsch sprach und stark spielte. Hans leitete Anlagen in Unterföhring bei München, am Stanglwirt, in Rauris und Villach. Zwischen 1980 und 1983 unterrichtete er auch in Hongkong. In dieser Zeit hörte er zum ersten Mal von einem jungen amerikanischen Fitness- und Racket-Verband namens IHRSA. Gegründet 1981, erste Convention 1982 in Las Vegas.

Ein Stand von drei Quadratmetern in New Orleans

1984 studiert Hans International Business an der University of South Carolina und reiste zur IHRSA-Convention nach New Orleans. An einem Stand von drei Quadratmetern steht Augie Nieto mit dem Lifecycle, dem ersten computergesteuerten Ergometer. Nieto hatte Life Fitness 1977 gegründet, er starb 2023 an ALS. Hans schreibt mit drei Kommilitonen eine Machbarkeitsstudie, wie man den Lifecycle in Europa einführen könnte, und schickt eine Kopie an den Exportdirektor der Firma.

Statt eines Praktikums bei Bosch oder Lufthansa, beides hätte er haben können, entscheidet er sich für eine eigene Marktanalyse der Fitnesslandschaft in Europa. Acht Monate, 270 Clubs. Das war seine Abschlussarbeit. Nebenher organisierte er für ein Dutzend Schweizer, Österreicher und Deutsche eine Studienreise durch die USA, von New York über Chicago und San Francisco bis zur Convention in Reno.

In Reno bot ihm der CEO des Verbands, John McCarthy, einen Job an. McCarthy ist eine Figur für sich. Jahrgang 1936, Basketballer in Notre Dame, 1958 von den New York Knicks gedraftet, ging stattdessen ins Priesterseminar und baute ab 1981 als erster Angestellter die IHRSA auf. Die Stelle hieß Director of Education. Der Verband hatte zwölf Mitarbeiter und die Regel, dass jede Einstellung einstimmig sein musste. Hans stellte eine Bedingung: mindestens fünf Prozent seiner Zeit für die internationale Entwicklung. „Ich hatte nicht zwei Jahre einen internationalen MBA gemacht, um dann nur in den USA zu arbeiten.“ Einer der zwölf hatte Zweifel an seinem Fokus. Der Job kam nicht zustande.

Zehn Jahre später holte ihn derselbe McCarthy nach Boston. So viel zu geschlossenen Türen.

Der erste Fitnessbereich in einer Racket-Anlage

Im Mai 1985 kam Hans ohne Stelle nach Europa zurück. Einer der Teilnehmer seiner USA-Reise betrieb in Bochum die Oase, eine Anlage mit 25 Squash-Courts und ein paar hundert Meter weiter sieben Tennisplätzen. Der hatte schon in Reno gesagt: „Komm, lass uns zusammen etwas mit Fitness machen.“ Hans sagte zu, plante und baute den Fitnessbereich. In den Sommern 1986 und 1987 leitete er außerdem ein Tennis-Fitness-Camp mit Mentaltraining in Marling bei Meran.

Dann meldete sich Life Fitness. Der erste Europa-Direktor der Firma hatte ein Jahr Zeit bekommen, profitabel zu werden – bei einem Umsatz in Europa von 50.000 D-Mark. Er schaffte es knapp, durfte danach Büros einrichten und ein Team aufbauen. Hans stieg 1986 im Vertrieb ein, als dritter Mitarbeiter in Europa, wurde Sales & Marketing Director für sechs europäische Länder, zuletzt Director of Sales & Marketing EMEA, und blieb bis 1994. Als er ging, hatte sich der Umsatz auf 32 Millionen D-Mark angehäuft.

Boston, 1994 bis 1999

„Jetzt sind wir so weit, dass wir jemanden für die internationale Entwicklung ins Budget bekommen.“ Mit diesem Anruf holte McCarthy ihn 1994 nach Boston. Hans zog mit Frau und Sohn um, die Tochter kam in den USA zur Welt. Fünf Jahre lang baute er die internationale Mitgliedschaft der IHRSA auf, mit 150 Reisetagen im Jahr.

Aus dieser Zeit stammt die European Club Leaders Conference, ein Treffen von 20 bis 30 Betreibern, nur auf Einladung, gesponsert von Life Fitness. Die erste Ausgabe fand im Paris Country Club statt, die zweite in England. Bei der dritten wollten die deutschen Teilnehmer selbst Gastgeber sein. Sie fühlten sich vom DSSV nicht vertreten und gründeten 1997 den VDF, den Verband Deutscher Fitness- und Freizeitunternehmen. Wer heute zum HFA-Europakongress fährt, besucht den Nachfolger dieser Konferenz.

Michael Leibrecht und Hans Münch Arm in Arm beim Expertenallianz-Summit 2026 in Berlin
Beim Expertenallianz-Summit 2026 in Berlin: Michael Leibrecht mit Hans Münch – natürlich beide mit der Ray-Ban Meta.

Zwei Konsolidierungswellen, 25 Jahre auseinander

1999 ging Hans zurück nach Europa, zu Fit-Plus in München, damals mit sieben Clubs die größte Kette der Stadt. Eine britische Gruppe stieg mit 51 Prozent ein, das Geld kam von den Cayman Islands, der Plan lautete 100 bis 200 Clubs, teilweise durch freundliche Übernahmen. Zur gleichen Zeit kaufte 24 Hour Fitness, eine amerikanische Kette, in Europa ein. Das war die erste Welle.

„In den letzten drei, vier Jahren haben wir dasselbe noch einmal erlebt“, sagt er. LifeFit Group, all inclusive Fitness, Basic-Fit. Die Niederländer haben clever fit im November 2025 für 160 Millionen Euro übernommen und stehen in Deutschland inzwischen bei rund 460 Clubs, wellyou kam im Sommer dazu. Viele Inhaber sind über 60 und suchen einen Ausstieg. Hans‘ Rat für diese Phase ist knapp: „Immer zwei oder drei Interessenten anstreben. Dann bekommst Du die bestmögliche Lösung, nicht nur den höchsten Preis.“

Danach kamen die Stationen, die ihn zum Generalisten gemacht haben. Geschäftsstellenleiter der BSA-Akademie in München und einer der Geschäftsführer der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, wo er Marketing und Management unterrichtete. Eine Softwarefirma mit Siggi Manz. Fünf Jahre Außendienst für die Nautilus Group in Österreich. Von 2008 bis 2016 war er dann IHRSA Director EMEA, zuständig für 40 Länder und rund 100 Branchenevents. 2014 zog er in die Schweiz und gründete seine Firma MSC GmbH. Seither hat er über 60 Unternehmen und Organisationen begleitet, Clubs ebenso wie Lieferanten, Investoren, Entwickler, Veranstalter von Events und Medien.

Der größte Irrtum der Fitnessbranche

Ich habe ihn gefragt, was aus seiner Sicht der größte Irrtum war, den er in vier Jahrzehnten erlebt hat. „Das war die Annahme von Peloton in der Pandemie, dass die Leute nicht mehr ins Studio zurückkommen. Dass sie zu Hause bleiben, auf dem Rad vor dem Bildschirm.“

Für Hans war das ein Fehlschluss, und die Zahlen sprechen für ihn. Die Aktie von Peloton, dem Symbol dieser These, notierte im Januar 2021 bei 167 Dollar und fiel bis Ende 2024 auf rund drei Dollar. Gründer John Foley gab im Februar 2022 den Chefposten ab, das Unternehmen baute 2.800 Stellen ab. Die Fitnessstudios dagegen zählen nach den DSSV-Eckdaten 2026 in Deutschland 12,36 Millionen Mitglieder, jeder Siebte.

Was erfolgreiche Studiobetreiber unterscheidet

Hans hat in vier Jahrzehnten Betreiber kommen und gehen sehen. Auf meine Frage, was die unterscheidet, die bleiben, nennt er die Bilanz. „Wenn Du keine sauberen Zahlen hast, kannst Du nicht wachsen. Die Banken geben Dir kein Geld.“ Wer Unternehmenswert aufbaut, statt jeden Gewinn sofort zu entnehmen, hat beim Verkauf, bei der Finanzierung von Gebäuderenovierung und Neuanschaffungen und in jeder Due Diligence die besseren Karten.

Dazu gibt er jedem Betreiber ein Rechenbeispiel mit: höchstens ein Drittel des Umsatzes für Personal. Davon geht etwa ein Drittel an die Trainer. Ein Trainer mit 3.000 Euro brutto kostet mit Nebenkosten rund 4.000 Euro im Monat, bei 170 Stunden sind das 25 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: Stepstone nennt für Fitnesstrainer in Deutschland im Schnitt 2.566 Euro brutto. „Das ist das Ende der Fahnenstange“, sagt Hans. „Es sei denn, Du gehst in Richtung Zusatzleistungen wie Personal Training.“ Ich habe ihm gesagt, dass ich das Gehaltsniveau für das, was Trainer leisten, für viel zu niedrig halte. Seine Antwort war die Rechnung oben.

Welches Fitnessstudio Hans Münch heute eröffnen würde

„Ein Boutique-Studio. Maximal 200 Quadratmeter, überschaubare Investition.“ Sein Beispiel ist Krzysztof Kopka, Gründer der Kette 36 MINUT aus Posen, den er seit 13 Jahren kennt. Kopka betreibt über 100 solcher Standorte, vor allem in Polen, einige bis nach Taschkent. Im August hat Hans ihn in Posen besucht, die beiden haben dort einen Podcast aufgenommen. Ein Zirkel drin, 70 Euro im Monat. Die Geräte für einen Zirkel mit acht bis zehn Geräten kauft er aus Leasingrückläufern. „Du musst keine 100.000 Euro in neue Geräte stecken. Einen Tag nach der Lieferung sind sie ohnehin nicht mehr neu.“

Hans Münch führt eine Besuchergruppe durch das Boutique-Studio LIJFKRACHT
Study Tour zum HFA-Europakongress 2025 in Amsterdam: Hans Münch (Mitte) führt durch das Boutique-Studio LIJFKRACHT.

Für Trainer, die bei 3.000 bis 3.500 Euro brutto an die Decke stoßen, ist dieses Modell aus seiner Sicht der logische nächste Schritt. „Mit relativ wenig Eigenkapital kannst Du so etwas auf die Beine stellen.“

Die Marktzahlen stützen ihn. Nach den DSSV-Eckdaten 2026 ist jede vierte Anlage in Deutschland ein Special-Interest-Studio. Das Segment wächst bei den Mitgliedern am schnellsten und hat mit 80 Euro den höchsten Durchschnittsbeitrag.

Ähnlich sieht er die Diagnostik. Ein Körperanalysegerät für 12.000 Euro braucht ein kleines Studio aus seiner Sicht nicht. Er hat sich gerade einen handtellergroßen Sensor zugelegt, der in 15 Sekunden einen Ernährungswert liefert und überall einsetzbar ist. Er will damit erst einmal zehn, zwanzig Leute beim fithera-Event im September scannen.

Wo die Fitnessbranche gerade spannend ist

Amerika bleibt für ihn der Taktgeber. „Aber Innovation kommt heute aus dem Mittleren Osten und aus Asien.“ Singapur nennt er vorbildlich, dazu Bali und Dubai. Für deutsche Gründer, die sich orientieren wollen, hat er eine kleine Liste von Terminen im Jahr, die er für Pflicht hält: Meet the Top, FIBO, fithera, die Kongresse von EGYM und milon, der HFA-Europakongress, Beyond Active mit Veranstaltungen von Bangkok bis Madrid. „Diese Netzwerke sind sehr gut. Messen sind gut. Die eigentliche Arbeit passiert im Gespräch danach.

Hans Münch und Phillip Mills nebeneinander in einer Bahn
Gemeinsame Zugfahrt mit Phillip Mills (Les Mills, rechts) und Hans Münch – Iris und ich saßen gegenüber. Aufgenommen mit meiner Ray-Ban-Meta-Brille, die Hans zuerst hatte.
Abschlussfolie eines Vortrags von Hans Münch mit Kontaktangaben und US-Open-Selfie
Typisch Hans Münch: die letzte Folie seines Vortrags beim Meet-the-Top-Event auf Mallorca – Erreichbarkeit und „in Verbindung bleiben“ (hans-muench.com).

Longevity als nächstes Geschäftsmodell für Fitnessstudios

Sein aktuelles Thema ist eine Lücke, die er bei fast allen Clubs sieht. Die Daten sind da, in Wearables, Apps und Geräten. Kaum ein Fitnessstudio macht daraus ein Angebot. „Longevity ist ein Thema, für das Leute bereit sind, mehr auszugeben als bisher für ihr Studio.“ Fernbetreuung für zehn Euro mehr im Monat, mit KI-Unterstützung betreut ein Trainer 100 bis 200 solcher Kunden. Das bringt dem Trainer Zusatzverdienst und dem Betreiber einen neuen Umsatzstrom, „wenn das Angebot fair ist“.

Sein eigenes Studio in der Schweiz macht es vor: 1.500 Franken Jahresbeitrag, rund 1.400 Mitglieder. 200 davon zahlen 1.000 Franken extra für den Zugang zu einem Beckenboden-Trainingsstuhl, der in der Anschaffung 35.000 Franken gekostet hat. „Guter Return on Investment. Und für Senioren ein großes Thema.“

Zwölfmal Sri Lanka

Zwölfmal war Hans in Sri Lanka, elfmal zur Ayurveda-Kur. Zwei, zweieinhalb Wochen, die ihn nach eigenen Worten erden und mit voller Energie und klarem Kopf zurückbringen.

Michael Leibrecht, Christoph Müller und Hans Münch vor dem Hotel Knorz in Zirndorf
Frühstücks-Stopp in Zirndorf: mit Hotelier Christoph Müller (Mitte) und Hans Münch vor dem Hotel Knorz – dessen frühe Entwürfe vom Architekten Helmut Jahn stammen, damals noch Student.

Ob er heute etwas anders machen würde? „Ich habe nie danach gestrebt, viel Geld zu verdienen.“ Er fliegt Economy, die Flüge nach Toronto und Las Vegas für März hat er längst gebucht. Im Dezember geht es 25 Tage nach Botswana und Namibia. „Ich genieße die Vorteile, Städte und Länder zu erkunden, wenn die Zeit es ermöglicht. Aber es muss nicht immer sein.“

Und die Branche? „Ich bin nach wie vor optimistisch.“

Michael Leibrecht, Hans Münch und Iris Leibrecht am Wirtshaustisch im Zirndorfer Bräuschank
Gedankenaustausch mit Hans Münch im Zirndorfer Bräuschank – zwischen Weißbier und Studioplänen auf dem Laptop.

Die Macher, die keiner mehr kennt

Einen Satz aus dem Gespräch gebe ich hier ungekürzt weiter: „Die Leute, die heute in Studios arbeiten, kennen die Gründer nicht mehr.“ Werner Pfitzenmeier, der 1978 mit 16 im Keller seiner Eltern anfing und heute über 50 Anlagen führt. Winfried Horstenkamp, der 1984 nach einer USA-Reise in seiner Bochumer Tennisanlage Oase 350 Quadratmeter Fitness eröffnete, heute sind es 20.000. Albert Busek, der Arnold Schwarzenegger nach München holte und 1983 die BSA-Akademie mitgründete. Dieter Miehlich, der 1986 in Augsburg die ersten elektronisch gesteuerten Kraftgeräte baute, aus denen milon wurde. Und die Generation danach: Martin Seibold, heute CEO der LifeFit Group, war 1995 Hans‘ erster Praktikant in Boston und wohnte bei ihm. Stephan Schulan führt all inclusive Fitness mit 653.000 Mitgliedern in über 200 Clubs (Quelle: ai Fitness, September 2025).

Gruppenselfie auf der FIBO 2025 mit Michael und Iris Leibrecht, Hans Münch, Hans Beyer und Begleitern
FIBO 2025: Michael und Iris Leibrecht mit Hans Münch, Branchenpionier Hans Beyer, Trainer Torsten und Anita Muellen (Studio Grow Consulting, Amsterdam).

Deshalb gibt es diese Serie: Hans hat zugesagt, Türen zu öffnen. In einer künftigen Folge wird John McCarthy zu Wort kommen, 89, der erste Geschäftsführer des Weltverbands. Er kommt im April nach Europa, Hans holt ihn in Zürich ab.

Michael Leibrecht, Hans Münch, Iris Leibrecht und Wolf Harwath beim milon-Kongress
Beim milon-Kongress: mit Hans Münch, Iris und Wolf Harwath (Geschäftsführer milon industries, Gründer der five-Konzepte).

12 Lektionen für Dein Fitnessstudio

Das habe ich aus dem Gespräch mitgenommen, in Hans‘ Reihenfolge, nicht in meiner.

  1. Resilienz schlägt Talent. Wer im dritten Satz noch dasselbe Niveau hat, gewinnt. Das gilt für Betreiber genauso.
  2. Eine Tür, die zugeht, ist selten die letzte. Der Job, den Hans 1985 nicht bekam, kam 1994 zurück.
  3. Mache Deine Marktanalyse selbst. 270 Clubs im Kopf sind mehr wert als jede Studie im Regal.
  4. Kenne alle Seiten. Verband, Hersteller, Betreiber, Bildung, Software. Wer nur eine kennt, sieht nur einen Ausschnitt.
  5. Baue Unternehmenswert, nicht Entnahme. Saubere Bilanzen sind Dein Wachstumshebel, bei der Bank und beim Verkauf.
  6. Höchstens ein Drittel des Umsatzes für Personal. Davon ein Drittel für Trainer. Rechne es einmal durch.
  7. Fokus statt Fläche. 200 Quadratmeter mit klarem Angebot können 1.000 Quadratmeter mit allem schlagen – besonders, wenn man eine Community darin aufbaut.
  8. Kauf auch gebraucht. Nach dem ersten Tag sind die Geräte ohnehin nicht mehr neu!
  9. Beim Verkauf immer zwei oder drei Interessenten an der Hand haben. Sonst bestimmt der Käufer den Preis.
  10. Mach aus Daten ein Angebot. Fernbetreuung für zehn Euro mehr im Monat als Erweiterung des Produktes – ähnlich mit Ernährungsprodukten.
  11. Geh auf mehrere Branchentermine im Jahr. Der Austausch mit anderen Kollegen sowie die eigene Fortbildung sind Pflicht.
  12. Plane Deine eigene Regeneration. Wer 150 Tage im Jahr unterwegs ist, braucht die zwei Wochen Sri Lanka.

Häufige Fragen zu Hans Münch

Wer ist Hans Münch?

Hans Münch, Jahrgang 1958, ist Kanadier mit deutschem Pass und seit 1985 in der Fitnessbranche. Er war der dritte Mitarbeiter von Life Fitness in Europa, fünf Jahre beim Weltverband IHRSA in Boston für die internationale Entwicklung zuständig und acht Jahre dessen Europa-Director. Seit 2016 berät er von Winterthur aus Fitnessstudios, Hersteller und Start-ups, bisher über 60 Organisationen.

Was ist die HFA?

Die Health & Fitness Association (HFA) ist der Weltverband der Fitnessbranche mit Sitz in Boston. Bis 2024 hieß er IHRSA. Die HFA richtet unter anderem den HFA European Congress aus, 2025 in Amsterdam, 2026 vom 24. bis 26. September in London. Hans Münch war dort fünf Jahre Mitarbeiter und acht Jahre Europa-Director.

Welches Fitnessstudio würde Hans Münch heute eröffnen?

Ein Boutique-Studio mit maximal 200 Quadratmetern: ein Zirkel mit acht bis zehn Geräten aus Leasingrückläufern, rund 70 Euro Monatsbeitrag, überschaubare Investition. Sein Vorbild ist die polnische Kette 36 MINUT von Krzysztof Kopka mit über 100 solcher Standorte. Für Trainer, die beim Gehalt an die Decke stoßen, hält er das für den logischen nächsten Schritt.

Welche Kennzahl gibt Hans Münch jedem Studiobetreiber mit?

Höchstens ein Drittel des Umsatzes für Personal, davon etwa ein Drittel für die Trainer. Ein Trainer mit 3.000 Euro brutto kostet mit Nebenkosten rund 4.000 Euro im Monat, bei 170 Stunden also 25 Euro pro Stunde. Dazu sein wichtigster Rat: saubere Zahlen und eine ordentliche Bilanz, statt jeden Gewinn sofort zu entnehmen. Sonst gibt es beim Wachsen kein Geld von der Bank.

Wie viele Menschen trainieren in Deutschland im Fitnessstudio?

Nach den DSSV-Eckdaten 2026 sind es 12,36 Millionen Mitglieder, also jeder Siebte. Jede vierte Anlage ist inzwischen ein Special-Interest-Studio. Dieses Segment wächst bei den Mitgliedern am schnellsten und hat mit 80 Euro den höchsten Durchschnittsbeitrag.

Welche Interviews und Podcasts mit Hans Münch gibt es?

Am aktuellsten ist Folge 157 des Podcasts „Hashtag Fitnessindustrie“ (September 2025, 42 Minuten): Hans Münch und Andreas Bechler über den HFA Global Report 2025, die drei wichtigsten Trends und was davon auf den DACH-Markt übertragbar ist. Seinen Werdegang erzählt er in Folge 59 derselben Reihe. Auf Englisch gibt es ihn im Fitness + Technology Podcast von Bryan O’Rourke. Geschriebene Porträts: fitness.at und seine Autorenseite bei BODYMEDIA.


Hans Münch in Zahlen
1958 in Kanada geboren · mit 12 Jugendmeister von Ontario · 1985 Marktanalyse mit 270 Clubs in 8 Ländern · 12 Jahre auf Herstellerseite (Life Fitness, Nautilus) · 1994 bis 1999 IHRSA Boston, 2008 bis 2016 IHRSA Director EMEA · 40 Länder, rund 100 Branchenevents · seit 2016 eigene Firma in Winterthur, über 60 begleitete Organisationen · Boards: Fitness Industry Technology Council, Mental Health One Global · Botschafter Gym Factory (Madrid) · Website hans-muench.com

Wo Du Hans triffst: fithera Offenbach, 16./17.09.2026 · HFA European Congress London, 24. bis 26.09.2026 · FIBO Köln, 8. bis 11.04.2027

Michael Leibrecht
Michael ist Unternehmer, Marketing-Stratege und lizenzierter Fitnesstrainer (B-Lizenz). Als Beirat im familiengeführten Beyers Aktivpark, den seine Frau Iris als Geschäftsführerin leitet, verbindet er seine sportliche Leidenschaft mit einer klaren Philosophie: Die Heilwirkung der Muskulatur ist die wichtigste Basis für lebenslange Vitalität und Leistungsfähigkeit. Da das Thema Gesundheit den Alltag der beiden ohnehin ständig prägt, hat er die Domain erworben und fitnessblog.de von Grund auf aufgebaut. Gemeinsam betreiben sie die Plattform, um das Thema Fitness dort in all seinen Facetten zu beleuchten. Machen! Niemand trainiert für dich. – Du willst mitschreiben? Werde Gastautor!

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