12,36 Millionen Menschen in Deutschland sind Mitglied in einem Fitnessstudio. Jeder Siebte! Gut so. Fitness ist im Mainstream angekommen. Wo geht die Reise hin? Was bewegt die Menschen?
Die Zahl stammt aus der Studie „Der deutsche Fitnessmarkt“, die jedes Jahr erscheint, mittlerweile zum 23. Mal. Deloitte rechnet, der Branchenverband DSSV und die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement liefern mit. 6,25 Milliarden Euro Umsatz, 9.647 Anlagen. Der Durchschnittsbeitrag liegt bei 48,55 Euro im Monat – wobei dir diese Zahl herzlich wenig sagt: Zwischen dem Discounter um die Ecke und dem Premium-Studio mit individueller, persönlicher Betreuung liegen Welten, und der Durchschnitt wohnt genau dazwischen, wo niemand trainiert.
Das Beste an der Studie steht ohnehin zwischen den Zeilen: Die Branche wächst nicht wegen Sixpack und Strandfigur. Sie wächst, weil den Menschen ihre Gesundheit wichtiger geworden ist. Genau das erleben wir bei uns im Studio jeden Tag.
Aber wer organisiert das alles eigentlich? Wer legt fest, was ein Trainer können muss? Und wer hat für die Studios gesprochen, als sie im Lockdown zugesperrt waren? Meine Familie betreibt selbst ein Studio in Zirndorf. Unsere Mitglieder standen damals vor verschlossener Tür – und am meisten gefehlt hat das Studio unseren Senioren. Der „soziale Ort der Gesunderhaltung“, wie ich es gerne nenne, war einfach weg. Seitdem weiß ich Verbandsarbeit zu schätzen. Vorher, ehrlich gesagt: kaum drüber nachgedacht.
Also, kleine Tour durch die Verbandslandschaft. Es sind mehr, als du denkst.
Die Deutschen
Der Platzhirsch heißt DSSV, Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen, gegründet 1984. Er vertritt die Studiobetreiber, vom Familienbetrieb bis zur Discounterkette, und sitzt mit am Tisch, wenn in Berlin über unsere Branche geredet wird. Die Marktstudie oben trägt seinen Stempel. Bei uns ist das übrigens Familiengeschichte: Meine Schwiegereltern Theresia und Hans Beyer waren mit ihrem Studio schon ganz früh Mitglied im DSSV – und sind es mit dem Beyers Aktivpark bis heute.

Daneben gibt es den BVGSD für die ausdrücklich gesundheitsorientierten Studios und den VDF, der Betreiber, Trainer und Firmen unter einem Dach versammelt. Drei Verbände für eine Branche? Historisch gewachsen. Jeder hat seine Leute, jeder seinen Ton.
Die Industrie hat ihren eigenen Club: den DIFG. Das sind die Firmen, die Geräte, Böden und Technik in die Studios bringen. Und die Trainer haben den DFAV, den Deutschen Fitness und Aerobic Verband. Aerobic! Der Name verrät, aus welchem Jahrzehnt er stammt. Heute macht er vor allem Aus- und Weiterbildung. Dazu kommen noch die Fitnesslehrer-Vereinigung und die IG Reha.
Und dann kam Corona. Im Frühjahr 2020 haben sich fünf dieser Verbände zur Arbeitsgemeinschaft der Fitnessverbände zusammengetan, um mit einer Stimme für die geschlossenen Studios zu sprechen. Not schweißt zusammen. Hätte gerne früher passieren dürfen, aber gut, dass es passiert ist.
Europa und die Welt
Eine Etage höher, in Brüssel, sitzt EuropeActive. 52 Millionen Studiomitglieder in Europa, über 51.000 Anlagen. Von dort kommen unter anderem die europaweiten Standards für Trainerqualifikationen. Wenn dein Trainer eine anständige Lizenz hat, haben die Brüsseler ihre Finger im Spiel gehabt.
Und ganz oben: die Health & Fitness Association, alte Hasen kennen sie noch als IHRSA. Sitz in Boston und Washington, vertritt die Branche weltweit und redet mit der WHO. Da diskutiert also jemand über Bewegungsmangel, der weiß, wie ein Studio von innen aussieht. Guter Gedanke.
Meine Herzensempfehlung
Ein Verein passt in keine Schublade, und genau deshalb mag ich ihn: die Expertenallianz für Gesundheit. Über 1.300 Sportwissenschaftler, Mediziner und Praktiker. Keine Lobby, sondern Wissensarbeit: eine Datenbank mit über 1.250 Studien, ein eigenes Forschungsinstitut, Programme wie „FitMitDiabetes“. Ihr Motto: „Gesundheit braucht Training. Training braucht Wissenschaft.“

Im Lockdown war die Expertenallianz für uns Studiobetreiber eine große Stütze. So etwas vergisst man nicht.
Und jetzt?
Klar, zum Trainieren brauchst du keinen einzigen dieser Verbände. Aber hinter deinem Studio steckt ein ganzes Geflecht aus Menschen, die Standards setzen, Qualität einfordern und der Politik erklären, dass Training Gesundheitsvorsorge ist und kein Luxus. Diese Branche ist erwachsen geworden.
Und Branchen bestehen aus Machern. Studiogründer, Geräteentwickler, Forscherinnen, Menschen mit Ideen und manchmal mit Dickkopf. Genau um die geht es künftig in dieser Rubrik. Markt & Macher eben. Du kennst jemanden, der hier vorgestellt werden sollte? Schreib mir!
Quellen und weiterführende Links: Marktzahlen aus „Der deutsche Fitnessmarkt 2026″ (23. Auflage), herausgegeben von Deloitte gemeinsam mit DSSV und DHfPG. Weitere Informationen: Health & Fitness Association, EuropeActive, DIFG, DFAV, BVGSD, VDF, Expertenallianz für Gesundheit.









