Fitness Armbänder

Schritte zählen, Herzfrequenz messen, Kalorienverbrauch anzeigen, das Schlafverhalten aufzeichnen: All das versprechen uns die neuen Fitness-Tracker.

In der Werbung zeigen uns verschiedene Hersteller der neuen Fitness-Wearables die vielen Vorteile eines getrackten Lebens: Die Armbänder sollen uns im Alltag begleiten, unsere Aktivitäten aufzeichnen und auswerten und uns daran erinnern, uns mehr zu bewegen. Dadurch sollen wir motivierter sein und unsere sportlichen Ziele erreichen. Aber können die Werte überhaupt stimmen und führt die Selbstvermessung nicht zu mehr Stress und Unzufriedenheit?

Ich fand das Thema der digitalen Selbstvermessung und Körperkult in Zeiten neuer Medien so interessant, dass ich meine Bachelorarbeit darüber geschrieben und einen Selbstversuch mit einem Fitness-Armband gestartet habe.

Der Kauf eines Fitness-Trackers gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht. Denn bei der Internet Recherche war ich zunächst überfordert von der wahnsinnigen Vielfalt: Fitbit, Jawbone, Garmin, Samsung, Nike, Polar, Runtastic, … und sogar eine glitzernde Version von Swarowski standen auf der langen Liste meines Suchergebnisses. Außerdem las ich zahlreiche Kritiken über die Ungenauigkeit vieler Geräte. Ich beschloss die Schönheit des Gerätes in den Hintergrund zu stellen und entschied mich für ein funktionelles Gerät, das zu den Testsiegern gehört: Den Garmin vivosmart HR. (Bei Amazon erhältlich: http://amzn.to/2i7UKHG)

Funktionen Fitness Tracker

Was der kann? Einfach alles! Ich trage ihn wie eine Uhr am Handgelenk und sehe auf einem Display Uhrzeit und Datum. Per Touch- Funktion kann ich weitere Details ablesen. Die gezählten Schritte und die Etagen und Kilometer, die ich zurücklege. Außerdem meine Herzfrequenz und verbrauchte Kalorien. Per Bluetooth kann ich ihn mit meinem Smartphone verbinden und in der App alle Einstellungen regeln. Auf dem sogenannten Dashboard werden in verschiedenen Diagrammen und Darstellungen meine Aktivitäten und Werte anschaulich dargestellt. Wenn ich möchte, kann ich das Band dauerhaft in Verbindung mit dem Smartphone lassen und empfange dann auch alle Nachrichten auf meinen Fitness Tracker. Auch das Wetter kann übertragen werden und abgespielte Musik steuern. Das wird mir dann aber doch zu viel, da das Band bei jeder Nachricht vibriert.

Das Band wird nie abgelegt, auch nicht Nachts. Denn dann misst es meinen Schlaf: es erkennt, wann ich einschlafe, ob und wie lange ich nachts wach bin, Bewegung und Tief- und Leichtschlafphasen. Morgens kann ich mich durch Vibration vom Tracker wecken lassen. Dann begleitet es mich den ganzen Tag und wenn ich Sport treibe, starte ich eine Aktivität. Nach einem Lauf kann ich dann zum Beispiel am Smartphone eine vollständige Auswertung sehen: Zurückgelegte Kilometer, Zeit, Kalorien, Pace, Geschwindigkeit und die Höhe meines Pulses im Durchschnitt und im ausführlichen Diagramm. In der App gibt es noch weitere Funktionen wie verschiedene Statistiken und Kalender und Bestenliste und vieles mehr. Weiterhin besteht die Möglichkeit, diese App mit einer Kalorienzähler-App zu verbinden. Auch das ist mir dann aber zu viel des Guten.

Motivation durch Fitness Tracker

Bald stelle ich fest, dass ich zu meinem Fitness- Tracker eine genauso enge Beziehung führe, wie zu meinem Smartphone. Es ist mir unangenehm, wenn der Akku nach ca. drei Tagen leer ist und ich es für eine Stunde abnehmen muss, um es ans Ladegerät anzuschließen. Seit ich es besitze, trage ich es jeden Tag. Und obwohl ich mich auch ohne Fitness Tracker schon viel bewegt habe, achte ich jetzt noch mehr darauf, die Treppen statt dem Aufzug zu nehmen oder kleine Strecken zu laufen, für die ich sonst das Auto nehmen würde.
Eine hohe Kalorienzahl am Abend gibt mir Bestätigung und funktioniert wie ein Lob für meine Anstrengungen. Jede Aktivität wird durch ein sichtbares Ergebnis festgehalten. Und das ist es ja was uns motiviert: Ergebnisse. Im Großen und Ganzen ist der Tracker also eine gute Motivation für mehr Bewegung im Leben und ein Mittel zur Selbstkontrolle. Durch das Dashboard, das Feedback und die Auszeichnungen, die man erhält, wird der Alltag gewissermaßen zum Spiel.

Das kann Spaß machen. Allerdings hat mir die Erfahrung einer Nacht, in der ich von Kalorienzahlen und Schritten geträumt habe, auch etwas zu Bedenken gegeben. Denn mit den vorgegebenen Zielen und der ständigen Vermessung entsteht ein gewisser Leistungsdruck. Nach einer gewissen Zeit gewöhnt man sich allerdings an das Armband und nimmt es gelassen.

Genauigkeit Fitness Tracker

Was die Genauigkeit der Werte betrifft, habe ich mit der Zeit festgestellt, dass mein Armband die Herzfrequenz während Ausdauer-Aktivitäten mit einem relativ gleichbleibenden Puls zuverlässig und realitätsgetreu misst. Bei Kraft-Ausdauer- oder High-Intensity-Intervall-Training ist das Gerät allerdings oft überfordert, weil der Puls zu sehr schwankt und oft für kurze Zeit besonders hoch ist. Auch die Messung der zurückgelegten Etagen funktioniert eher schlecht. Nicht umsonst weist der Hersteller sowohl in der Betriebsanleitung, als auch in der App darauf hin, dass die Werte nicht zu hundert Prozent genau sind und das Gerät nicht zu medizinischen Zwecken genutzt werden soll.

Ich wurde allerdings richtig sauer als mein Fitness-Tracker nach 20 Minuten Burpees, Jumping Squats etc. einen Puls von 45 und nur 22 verbrauchte Kalorien anzeigte. Am liebsten hätte ich das Training sofort abgebrochen. Dann musste ich aber über mich selbst lachen, denn nicht die Werte in meiner Fitness App machen mich fit, sondern mein Training – auch ohne digitale Überwachung.

In jedem Fall aber sind Fitness-Tracker ein wirksames Mittel für mehr Motivation.

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