Wie der Schweinehund sich bei mir vorstellte – ein Rückblick

Ans erste Mal kann ich mich kaum noch erinnern. Was ich weiß: Nach meinem 30. Geburtstag konnte ich nicht mehr einfach alles essen, ohne unmittelbar danach Veränderungen an meinem Körper festzustellen. Wie früher „Schokolade ist gleich Pickel am morgen danach“, bloß anders unschön.

Und damals kurz nach der Jahrtausendwende war der heute zur Schau getragene „Dad Bod“ leider noch überhaupt nicht angesagt. Hipster-Bart und Holzfällerhemd eine Nummer größer waren also keine Option. Da klopfte dir keiner auf die Schulter. Irgendwann zu dieser Zeit wurde mir also erstmals klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Fussi-Training schwänzen, sitzende Tätigkeit, aber essen, was schmeckt? Error 404. Schwerer Fehler in der Rechnung.

Es waren die ersten Rufe des Schweinehundes.

Zunächst noch leise und undeutlich. „Du musst bisschen aufpassen. Die Chips machen dich fett.“ So in etwa. Und verstanden hab ich die Rufe nicht genau, weil die Chips so schön geknistert haben in meinem Mund.

Ein paar Monate vergingen, die ersten zarten Wabbelwülste nicht. Der Lerneffekt (unterbewusst): Im Buchladen lief ich plötzlich nicht mehr einfach achtlos an den Ratgeberregalen (schönes Wort, für Scrabble merken!) vorbei. Die Titel schienen mich eher magisch anzuziehen. Das Interesse an Informationen zum Thema war da. Wissen schafft Macht.

Wobei sich bis heute nichts verändert hat, ich bin Skeptiker und sehr wählerisch. „Quäl dich!“ spricht mich weniger an als „Power durch Pause“, bei „Maria macht dich fit“ hab ich die Nummer von Maria Höfl-Riesch im Buch nicht gefunden. Also kein Kauf. Detox, Retox, Carb, Faszienfasten – diese Wortschöpfungen sind mir höchst suspekt. „Neun-Minuten-Muskel-Workout (ohne Geräte)“ – dabei ist auf der Titelseite ein richtiges Gerät abgebildet 😉 Da kann was nicht stimmen. Abnehmen mit Schüssler-Salzen, Organbalance. Zu wenig Bilder, zu viel Text. Kein Gewinnspiel drin.

Das Ergebnis der ganzen Recherche in Sachen Fitness-Literatur? Bin grad mal vor mein schmales Bücherregal. Meine Lieblingsbücher sind halt immer noch „Yoga im Liegen“, „Leitfaden für faule Eltern“ und „Südtiroler Hausmannskost“. Wobei mich das Gefühl beschleicht, dass zumindest das letztgenannte Werk – das Rezept vom Topfenpalatschicken (ein Gedicht!) lass ich Euch gern da, wenn ihr wollt – im falschen Fach steht.

Euer Marcus

 


P.S.: Mich täte mal interessieren, ob Ihr auch schon die Treppenlifter-Werbung in Eurem Posteingang angezeigt bekommt? 🙁

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Ich bin Marcus. Beruflich habe ich viel mit Sport zu tun. Ich weiß, das sieht man mir nicht an. Mit der Motivation hapert es ab und an. Aber da bin ich wahrscheinlich nicht alleine, oder?

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